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 Auf Nachfrage von Burman erklärt Descartes:
[Sich etwas] bewusst zu sein ist, zu denken und über sein Denken zu reflektieren; aber dass das nicht geschehen könne, während die erste Denktätigkeit fortdauert, ist falsch, weil, wie bereits gesehen, die Seele mehreres zugleich denken und in Gedanken aufrechterhalten kann, auch immer dann, wenn sie sich dazu erhebt, ihre Gedanken zu reflektieren, und auf diese Weise [sich ihrer Denktätigkeit] bewusst zu sein.gif
Descartes scheint hier, entgegen seiner Definition, das Denken vom Bewusstsein des Denkens zu trennen. Die Seele kann scheinbar einerseits denken (cogitare), andererseits reflektiert denken (suæ cogitationis conscia esse). Gemäß der Definition dürfte das erste ,Denken`, bevor die Seele darüber reflektiert, noch gar kein cogitare sein. Damit muss sich Descartes aber nicht bereits selbst widersprochen haben. Er schreibt in den Erwiderungen auf Bourdins Einwände, es bestehe kein bedeutender Unterschied zwischen einem Gedanken und der Reflexion auf einen Gedanken:
Jede beliebige erste Denktätigkeit, durch die wir etwas erfassen, unterscheidet sich nicht eher von der zweiten, durch die wir erfassen, dass wir jenen ersten Gedanken hatten, als diese wieder von einer dritten, durch die wir erfassen, dass wir erfassen, dass wir erfassen.gif
In der Erwiderung auf die sechsten Einwände betont Descartes außerdem, dass es ihm gar nicht um eine Reflexion auf einen bereits bestehenden Gedanken gehe, wenn er von Bewusstsein spreche. Vielmehr seien dem Denkenden seine Gedanken unmittelbar bewusst.gifEs ist anzunehmen, dass Denken stets in bereits bewusster Form vorliegt und als solches in zwei Bestandteile zerlegbar ist: das Gedachte, dessen die Seele sich bewusst ist und das Bewusstsein, das die Seele davon hat.gifEs gibt keine Denktätigkeiten, die uns nicht bewusst sind, da Denktätigkeiten gerade dies sind: bewusste Tätigkeiten, insofern sie bewusst sind.gif Ein bewusstes Heben des Armes ist seinem Urheber als physischer Vorgang nicht vollständig bewusst. Mit dem Zusatz ,unmittelbar` will Descartes denjenigen Teil an einer bewussten Handlung abgrenzen, der auch vollständig bewusst ist, also etwa die Selbstbeschreibung des Handelnden. Ich werde nun dafür eintreten, dass ,Bewusstheit` hier als Adverb zu verstehen ist.
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