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Zusammenfassung

Ich habe nun aus dem über den modernen Verantwortungsbegriff festgehalteneneinige Argumente entwickelt, die dafür sprechen, dass etwas nur dann Verantwortung tragen kann, wenn es gewisse Merkmale einer eigenständigen Substanz hat. Insbesondere ist ein zur Verantwortung Fähiges nicht teilbar,und es muss über einen längeren Zeitraum hin relativ unabhängig von der Materie, aus der es jeweils besteht, Bestand haben. Damit will ich nicht einfach die cartesische cogitatio mit der Übernahme von Verantwortung gleichsetzen. Ich habe den Begriff der res cogitans nicht anhand des Verantwortungsbegriffes definiert. Jedoch habe ich mit dem Fall eines verantwortlich Handelnden einen paradigmatischen Fall von cogitatio und Bewusstheit aufgezeigt. Außerdem habe ich gezeigt, dass auch Descartes das meditierende ego als ein solches charakterisiert, das jeden seiner Gedanken selbst einzusehen und zu verteidigen, also gewissenhaft zu denken bemüht ist. In diesem Sinne istdas meditierende ego ein herausragendes Beispiel für ein Ich, dasVerantwortung übernimmt. Descartes scheint im Übrigen gerade hiermit einen Neubeginn in der Philosophie eingeleitet zu haben, dass er sein Denken ganz auf sich selbst stellte und damit die volle Verantwortung für seine Gedankenzu übernehmen suchte.gifEs ist abermals deutlich geworden, dass Descartes mit seiner strikten Trennung zwischen Physik und Metaphysik nicht Dinge, sondern Redeweisen voneinander abgrenzt. Denn der Geist hätte ebensowenigRechtsempfinden oder Gewissen wie ein reiner Engel, wenn er vollständig von der ihn umgebenden Welt getrennt wäre. Dann aber könnte er auch nicht als idealisierter Träger von Verantwortung fungieren. Die Meditationen beginnen bekanntlich mit der Feststellung, dass der Mensch beim Denken mitunter irre. Indem der Irrtum am Anfang der Meditationen steht, geht nicht nur die Endlichkeit, sondern auch die Fleischlichkeit des menschlichen Geistes allerEinsicht in seine Unkörperlichkeit voraus. Nur weil der Mensch kein bloßer Automat, aber auch kein reiner und vollständig determinierter Geist ist, kann er irren. Nur dann aber kann er sich bemühen, Verantwortung aktiv zu übernehmen. Durch die Übernahme von Verantwortung, das gewissenhafte Denken und die Suche nach Sicherheit grenzt sich das meditierende ego zwar als eigenständiges Individuum von Anderem ab. Die metaphysische Redeweise individuiert damit den handelnden Menschen in einer Weise, in der es die einheitliche, cartesische Physik nicht mehr kann. Die Metaphysik kann ihn aber erst und gerade dadurch in eine Beziehung zu seiner Umwelt setzen und zu der Instanz, der gegenüber er verantwortlich ist. In den Cartesischen Meditationen ist diese Instanz zunächst Gott. In den Meditationenerfolgt also eine Loslösung des Denkens von seiner Umwelt nur in Hinsicht auf eine Bezugnahme zu anderem Denken, das über das einzelne Denken hinausgeht.
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