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Undeutliches, aber sicheres Wissen

Lex Newman hat dafür argumentiert, dass Descartes eine Form sicheren Wissens anerkennt, die nicht klar und deutlich sein muss. Allgemeineres Kriterium für die Unfehlbarkeit mancher Überzeugungen des meditierenden ego sei, dass Gott kein Betrüger sein dürfe.gif Gott ist aber, so lautet Newmans Argumentation, nicht erst dann ein Betrüger, wenn das ego sich in Bezug auf klare und deutliche Empfindungen oder Wahrnehmungen irrt. Das grundlegendere Wahrheitskriterium gibt er auch in der folgenden Form an:
p ist wahr, wenn ich klar und deutlich erkenne, dass ich
(i)
dazu neige, p zuzustimmen und
(ii)
keine Fähigkeit oder Möglichkeit zur Korrektur habe, so dass ich non-p behaupten könnte.gif
Klarheit und Deutlichkeit spielen in diesem Kriterium zwar eine Rolle, aber es muss nicht das sicher Gewusste selbst ein deutlich und präzise Gewusstes sein. Nur auf der Basis dieses Kriteriums kann Descartes in der sechsten Meditation behaupten, er habe einen Körper und die Empfindungen, die dieser ihm vermittelt, stammten aus einer Aussenwelt. Da diese Behauptungen von der Einheit von Leib und Seele handelt, sind sie bestenfalls klar, aber nicht deutlich, das heisst in getrennter und präziser Weise erkennbar. Sie handeln dementsprechend auch nicht von einer Substanz. Das in diesem Zusammenhang Wesentliche ist aber, dass sie dennoch als erwiesen gelten können.
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