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Zusammenfassung

In diesem Kapitel habe ich erstens die cartesischen Substanzen als diejenigen Gegenstände identifiziert, von denen es deutliche Begriffe geben kann.Da Deutlichkeit (distinctio) so viel besagt wie Unterschiedenheit,ergibt sich unmittelbar, dass Substanzen als Gegenstände deutlicher Ideen in ausgezeichneter Weise unabhängig von anderen Gegenständen sind, und dassIdeen von Substanzen mehr realitas obiecta, wiederum verstanden alsbessere Unterscheidbarkeit, besitzen.Die Attribute, anhand derer Descartes Substanzen voneinander unterscheidet,habe ich weiter gezeigt, sind unveränderlich. Dies lässt sich erklären, indem man annimmt, Descartes verstehe unter Attributen Klassen von modi. Descartes unterteilt also den Bereich der möglichen Gegenstände von Ideen gemäß Klassen von Eigenschaftsworten, die ihnen zugeschrieben werdenkönnen. Dass Descartes insbesondere zwei Substanzen für in ausgezeichneter Weise von Anderem unterscheidbar erachtet, liegt daran, dass er Eigenschaftsworte inwenigstens zwei disjunkte Klassen einteilt. Er fordert, Ausdehnungseigenschaften strikt von Denkeigenschaften zu trennen. Der cartesische Gottstellte sich zweitens als dasjenige heraus, was Möglichkeiten und Notwendigeiten stiftet, also Kontrafaktizität möglich macht. Zweitens hat erdie Funktion eines selbst über alle konkrete Bestimmung Hinausgehenden. Er stiftet also in drei Hinsichten den Horizont des Möglichen: Erstens hat er laut Descartes die notwendigen Wahrheiten als solche geschaffen. Zweitens ist er Subjekt eines vollkommenen Wissens, garantiert also die prinzipielle Möglichkeit vollkommener Erkenntnis. Drittens ist er selbst dasjenige, demalle Vollkommenheiten zukommen, die endliche Dinge nicht aktualiter haben können. Ich habe die Möglichkeit angedeutet, den cartesischen Gottesbegriff durch Begriffe der Sprachgesamtheit, der Gemeinschaft der Denkenden oder der Tradition und gemeinschaftlichen Praxis zu ersetzen, indem diese die Funktion übernehmen können, Möglichkeiten, Normen und Ideale zu setzen.Schließlich habe ich näher untersucht, inwiefern Descartes die Methodeder Physik, also die Art und Weise, über Ausgedehntes zu sprechen, reformieren will. Er kommt zu dem Schluss, dass bestimmte Prädikate, die Denktätigkeiten oder -kompetenzen bezeichnen, nicht in der Weise gebraucht werden können, die er für den Gebrauch der physikalischen Begriffe vorschlägt. In einem Satz wie
x zweifelt, oder: x antwortet,
muss an Stelle des grammatischen Subjekts eine individuelle Substanz stehen.Diese Substanz kann nicht in beliebiger Weise umschrieben werden, ohne dassKonfusion entsteht. Das heißt genauer, dass der Gebrauch von Prädikatenwie ,zweifelt` und ,antwortet` bereits eine bestimmte Substanzan Subjektstelle voraussetzt. Versucht man nun, einen dieser Sätze in physikalischem Vokabular zu reformulieren, so muss entweder eben der Sinn derPrädikate verlorengehen, der die Individualität des Subjekts erzwingt, oder es sind zugleich zwei Forderungen an die zu Grunde liegende Substanz zu stellen: dass sie ein Teil der einen ausgedehnten Substanz sei und dasssie individuell beziehungsweise eine separate Substanz sei.Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Descartes seine Einteilungen der Begrifflichkeit für objektiv richtig hält. Er erkennt eine und nur eine Weise an, Redebereiche voneinander strikt zu unterscheiden.
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